Mai 12, 2010
Die Zeit rennt immer schneller voran, dass man sich fragt, wer drückt den hier so fest aufs Gas. Ja es verbleibt nicht mehr all zu viel Zeit bis der 8. Juli erreicht ist. Aber für Heimweh nach Afrika zu bekommen ist es noch früh.
Ich möchte heute auch noch was von einem kulturellen Unterschied reden. Hier sprechen sie häufig davon ich solle doch jemanden von hier heiraten. Meine Antwort ist daraufhin: „Wäre ne Idee, aber dieses Jahr eher nicht.“ Wie es so schön heißt andere Länder andere Sitten, ist die Hochzeit eine davon.
Ich werde etwas vorher anfangen zu erzählen, was denn die einzelnen Schritte sind. Erst muss man sich kennenlernen und geheim eine Beziehung führen, was für junge Frauen noch schwerer ist als für Männer ist, da sie weniger Freiheiten haben. So werden Ausreden gesucht um doch das Haus verlassen zu können um Zeit mit dem Liebsten zu verbringen. Beispiel ist vielleicht ja ich geh zu Tante X, sie hat mich gebeten ihr bei der Hausarbeit zu helfen, du weißt ja, dass es ihr nicht so gut geht zur Zeit. Die Wahrheit ist natürlich eine andere. Für sogar sehr offensichtlich, weil wer macht sich so schön um bei Hausarbeit zu helfen. Ich glaube auch nicht, dass die Eltern das nicht wissen. Sie wollen es bloß nicht direkt hören oder gar sehen. Das geht soweit, dass der Vater direkt Prügel androht, im Falle jemand in seinem aus habe eine Beziehung in dieser Hinsicht. Diese Angst die daraus entsteht setzt im allgemeinen Leben fort. Das heißt man redet nicht über diese Sache, man tut sie nur. Nur die engsten Freunde dürfen von dieser Beziehung wissen. Also hat man nicht immer die Ansprechpartner, die man unter Umständen doch das eine oder andere Mal brauch. Wenn dies dann einige Zeit gut gegangen ist, geht es daran die Freundin bzw. den Freund der Familie vorzustellen. Das kennt man ja auch bei uns, nur dass hier beide Familien zusammen kommen, um den Partner kennenzulernen. Dies geschieht natürlich im Rahmen eines Festes. Dieses Presentationfest hat schon fast die Bedeutung einer Verlobung. Also muss es schon was ernstes sein. Nach diesem Fest dauert es noch ein bisschen bis die Verlobung kommt und dann noch ein paar Jahre zur Hochzeit. Man fragt sich, warum das so lang brauch. Es liegt ganz einfach daran, dass der künftige Ehemann einige Kosten aufbringen muss um zu heiraten. So gibt anders wie bei unter Umständen zwei Hochzeiten (standesamtlich; kirchlich). Hier in Mosambik kommt noch eine Dritte dazu, die sich „Lobolu“ nennt. Diese ist eine traditionelle Hochzeit, die die erste von den Dreien ist. Hierfür schreibt die Familie der Braut eine Liste, was alles der Mann alles besorgen muss bis dahin. Sprich das sind Kleider, Anzüge, Essen, Schuhe und jede Menge mehr. Diese Sachen werden dann alle feierlich in dieser Lobolu übergeben. Dazu kommt ja noch die gesammten Kosten der Hochzeitfeierlichkeiten. So gibt das am Ende für einen jungen Mann eine utopische hohe Summe, die er beszahlen muss, so brauch man auch ein paar Jahre zum sparen um dann Endlich zu heiraten. Interessant ist es, dass es hier als allgemein Sünde gilt vor der Hochzeit Sex zu haben, aber man sieht häufig genug, dass die Hochzeit mit der Taufe deren Kindes verbunden wird. Da fragt man sich wo ist denn das Kind hergekommen? Aber bei einer solchen langen Wartezeit kann man es durchaus verstehen. Ich mein es ist ja wirklich schon klar, dass sie heiraten werden und dann aufs Geld zu warten, bis man Kinder in die Welt setzen kann?
Nachdem ich das alles gehört habe, lautet meine Antwort schon anders: „Ne gute Idee, aber ich werde keine Lobolu zahlen.“